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Rechte und Pflichten des Praktikumsbetriebs

Ein Unternehmen, das Schülern oder Studierenden im Rahmen eines Praktikums Einblick ins Arbeitsleben gewährt, übernimmt damit auch Verantwortung für die Praktikanten. Andererseits gewinnt es auch, denn die Motivation und die Ideen der jungen Kollegen können frischen Wind in alte Arbeitsabläufe bringen.

Damit beide Seiten das Maximum aus der Praktikumszeit herausholen können, muss der Praktikumsbetrieb die Gesetze des Jugend- und Jugendarbeitsschutzes beachten und sollte sich die Gedanken zum Praktikumszeugnis und der Vergütung machen.

Vergütung eines Schülerpraktikums

Hinsichtlich der Bezahlung von Schülerpraktika existiert keine gesetzliche Vorgabe. Bei schulischen Pflichtpraktika, deren Ablauf maßgeblich durch die Schule geregelt ist und die in der Regel nur zwei oder drei Wochen dauern, wird meist keine Praktikumsvergütung gezahlt. Längere, eigenständig organisierte Schnupperpraktika oder auch längere Pflichtpraktika während des Studiums können nach eigenem Ermessen entlohnt werden. Behalten Sie dabei aber die Verdienstgrenzen für Minijobs oder kurzfristige Beschäftigungen im Auge.

Verschwiegenheitspflicht des Praktikanten

Neue Mitarbeiter müssen im Rahmen ihres Arbeitsvertrags eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterzeichnen – Praktikanten erhalten oftmals gar keinen Praktikumsvertrag. Die Pflicht zur Wahrung von Betriebsgeheimnissen ist nur einer von mehreren Gründen, warum ein Praktikumsvertrag sinnvoll ist.

Praktikumszeugnis

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern und Auszubildenden haben Praktikanten kein gesetzlich festgeschriebenes Anrecht auf ein Zeugnis – aber selbstverständlich ein großes Interesse daran. Handelt es sich um ein schulisches Pflichtpraktikum, besteht in der Regel eine entsprechende Vereinbarung mit der Schule. Aber auch sonst sollte der Praktikumgeber in jedem Fall ein – in der Regel wie ein Arbeitszeugnis gestaltetes, alle Aufgaben auflistendes – Zeugnis ausstellen.

Jugendschutz im Praktikum

Das Jugendschutzgesetz (JuSchG) greift, wenn sich Jugendliche im Rahmen eines Praktikums an für sie nicht geeigneten Orten aufhalten, beispielsweise in Spielhallen oder Nachtclubs. Es verbietet ebenso gefährliche Tätigkeiten. Jugendliche Praktikanten sollten keinen Zugang zu und keinen Umgang mit gefährlichen Stoffen, Krankheiten oder Waffen haben. Auch Aufgaben, die ein hohes Maß an Verantwortung erfordern, sind für Jugendliche nicht geeignet.

Jugendarbeitsschutz im Praktikum

Weit mehr Regelungen ergeben sich für Praktika aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) als aus dem eigentlichen Jugendschutz. Diese gelten – wie die Jugendschutzvorgaben – nur für Minderjährige und betreffen damit meist Schülerpraktikanten.

Arbeitszeitregelungen für minderjährige Praktikanten

Schülerpraktikanten sind häufig minderjährig. Sind sie unter 15 Jahren, dürfen sie nur bis zu vier Wochen im Jahr bis zu sieben Stunden pro Tag als Praktikanten arbeiten.

Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren gilt:
  • Die Wochenarbeitszeit darf 40 Stunden in keinem Fall überschreiten.
  • Die Arbeitszeit pro Tag liegt bei maximal acht Stunden.
  • Bis zu einer halben Überstunde ist erlaubt; die Überstunden müssen jedoch so zeitnah ausgeglichen werden, dass die Wochenarbeitszeit nicht überschritten wird.
Pausenregelungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz

Neben der Arbeitszeit ist auch die Gewährung regelmäßiger Pausen ein wichtiger Bestandteil des Jugendschutzes (§ 11 JArbSchG). Als Pausen gelten dabei nur Auszeiten, die mindestens 15 Minuten dauern.

Für Praktikanten zwischen 15 und 18 Jahren sind folgende Pausenzeiten vorgeschrieben:
  • bei einer täglichen Arbeitszeit bis zu 4,5 Stunden: eine Pause von 15 Minuten
  • bei einer Arbeitsdauer von 4,5 bis 6 Stunden: eine Pause von 30 Minuten
  • bei einer Arbeitsdauer von 6 bis 8 Stunden: eine Pause von 60 Minuten
Zeitfenster für den Arbeitseinsatz Jugendlicher

Nachtschichten sind für jugendliche Praktikanten tabu, und auch die Wochenenden sind in aller Regel freizuhalten. Erlaubt ist die Arbeit für Jugendliche nur zwischen sechs Uhr morgens und 20 Uhr abends – mit einigen Ausnahmen: Jugendliche über 16 Jahren dürfen in Gaststätten und im Schaustellergewerbe bis 22 Uhr, in mehrschichtig arbeitenden Betrieben bis 23 Uhr, in der Landwirtschaft ab 5 Uhr morgens bis 21 Uhr und in Bäckereien und Konditoreien ab 5 Uhr früh (mit 17 Jahren: ab 4 Uhr) arbeiten. In jedem Fall muss die Zeit zwischen dem Arbeitsende und dem nächsten Arbeitsbeginn mindestens zwölf Stunden betragen.

Urlaubsanspruch im Praktikum

Die tägliche Freizeit muss, zumindest bei minderjährigen Praktikanten, sichergestellt sein – Urlaub aber nicht. Aufgrund der relativ kurzen Dauer eines Praktikums entsteht weder für Schüler noch für Studenten ein Urlaubsanspruch.

Quelle: Auszüge Arbeitsschutzgesetz