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Krankenversicherung für Praktikanten

Die Sozialgesetzbücher machen es Praktikumsbetrieben nicht leicht, herauszufinden, welche Regelungen für die Krankenversicherung und die anderen Sozialversicherungszweige anzuwenden sind.

Wir bringen hier Licht ins Versicherungsdunkel. Im Zweifel empfiehlt sich aber immer, alle Fragen vor Praktikumsbeginn bei der Krankenkasse zu klären.

Die Schwierigkeit beginnt damit, dass die einschlägigen Gesetze den Begriff „Praktikant“ nicht kennen. Die Rechtsprechung hat sich aber auf so etwas wie eine Definition geeinigt: Als Praktikant gilt demnach eine Person, die in einem Unternehmen für einen begrenzten Zeitraum praktische Kenntnisse und Erfahrungen für einen Beruf erwirbt, aber keinen Abschluss dafür erhält.

Krankenversicherung im Praktikum

Schüler und Studenten, die keinen Praktikumslohn erhalten, müssen an ihrer Krankenversicherung nichts ändern. Sind die Eltern gesetzlich krankenversichert, ist der Nachwuchs bis zum 25. Lebensjahr durch die Familienversicherung geschützt. Ebenso kann ein Student durch einen gesetzlich versicherten Ehepartner familienversichert sein. Nach dem 25. Geburtstag muss eine eigene (studentische) gesetzliche Versicherung abgeschlossen werden.

Sind die Eltern privat versichert oder verbeamtet, können sich ihre Kinder bei Studienbeginn von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen, um einer privaten Krankenversicherung beizutreten. Dieser Status gilt dann für den Rest des Studiums – und auch während des Praktikums.

Änderung der Krankenversicherungspflicht im vergüteten Praktikum

Anders sieht die Sache mit der gesetzlichen Krankenkasse aus, wenn ein freiwilliges Praktikum vergütet wird. Der Freibetrag für den Verbleib in der Familienversicherung liegt 2016 bei 415 € im Monat. Wer mehr verdient, muss eigenständig versichert sein. Bis zur Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 450 € im Monat müssen Praktikanten aber dennoch keine Krankenkassenbeiträge bezahlen; das übernimmt der Praktikumsbetrieb. Bei bis zu 850 € Praktikumslohn teilen sich Praktikant und Betrieb die Krankenversicherungsbeiträge nach der Gleitzonenregelung. Das bedeutet, dass der Anteil des Praktikanten sich mit zunehmendem Lohn immer weiter den für Arbeitnehmer geltenden 50 % annähert.

Überblick über die Sozialversicherungspflicht im Praktikum

  • Schüler- oder Studenten-Pflichtpraktikum ohne Sozialversicherungspflicht: Die Praktikanten sind während eines Pflichtpraktikums versicherungsfrei in der Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.
  • Nicht vergütete freiwillige Praktika während der Schul- oder Studienzeit ohne Sozialversicherungspflicht: Wird ein freiwilliges Praktikum nicht entlohnt, ergibt sich ebenfalls keine Sozialversicherungspflicht.
  • Vergütete freiwillige Praktika während der Schul- oder Studienzeit mit Sozialversicherungspflicht: Bereits ab dem ersten Euro Praktikumslohn entsteht eine Pflege- und Rentenversicherungspflicht wie bei einem regulären Arbeitnehmer. Lediglich die Arbeitslosenversicherung entfällt für die studentischen oder Schülerpraktikanten.

Unfallversicherung im Praktikum

Freiwillige „Schnupperpraktikanten“ müssen der Berufsgenossenschaft nicht gemeldet werden, um im Falle eines Unfalls in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert zu sein. Der Versicherungsschutz gilt für alle Tätigkeiten und Einsatzorte im Rahmen des Praktikums sowie für den Weg von zuhause zum Unternehmen und zurück.

Ein gesonderter Praktikumsvertrag ist dafür nicht erforderlich, noch nicht einmal eine explizite mündliche Vereinbarung, und auch die Zahlung einer Vergütung ist unerheblich. Die Dauer des Praktikums ist ebenfalls nicht ausschlaggebend. Was die Unfallversicherung angeht, werden freiwillige Praktikanten immer mit Arbeitnehmern und Auszubildenden gleichgestellt.

Ausnahme Pflichtpraktika

Es empfiehlt sich bei einem Unfall immer, auch den Unfallversicherungsträger des Unternehmens zu informieren. Bei einem Pflichtpraktikum aber, auf dessen Länge und Ablauf die Schule oder Hochschule meist Einfluss nimmt, ist die Versicherung des Unternehmens eigentlich nicht zuständig. Solche Praktika sind Schul- und Hochschulveranstaltungen gleichzusetzen. Damit greift im Falle eines Unfalls auch die Unfallversicherung der jeweiligen Institution.