AOK Plus Bewerbungsplaner

Können Sie ausbilden?

Wenn ein Unternehmen regelmäßig neue Mitarbeiter sucht, liegt es nahe, selbst auszubilden. So können junge Menschen zielgenau das nötige Know-how für ihren späteren Beruf erlernen und außerdem wichtige Kontakte knüpfen.

Wie aber wird man zum Ausbildungsbetrieb?

Um Auszubildende im Betrieb aufzunehmen, müssen Ausbildungsstätte, Ausbilder und Fachkräfte gewisse Bedingungen erfüllen.

Eignung des Unternehmens als Ausbildungsstätte

Im Unternehmen muss selbstverständlich alles vorhanden sein, was ein Azubi für seine Arbeit benötigt – vom Schreibtisch bis hin zu den Geräten und Maschinen, die er im Rahmen seiner Ausbildung bedienen lernen soll. Welche Fertigkeiten und Kenntnisse ein Auszubildender genau zu erwerben hat, hängt vom jeweiligen Ausbildungsberuf ab. Die Details sind in der entsprechenden Ausbildungsverordnung festgelegt.

Kann ein Unternehmen nicht alle erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln – beispielsweise, weil bestimmte Maschinen nicht vorhanden sind – muss dieser Teil der Ausbildung in Form von Ergänzungsseminaren erfolgen.

Eignung des Ausbilders

Für den oder die Auszubildenden muss ein Ausbilder benannt werden. Er oder sie ist für die Vermittlung der Inhalte verantwortlich, kontrolliert unter anderem die Ausbildungsnachweishefte, steht als Ansprechpartner zur Verfügung und achtet auf die Einhaltung aller Arbeitsschutzregelungen.

Der Ausbilder muss dieser Aufgabe fachlich gewachsen sein und selbst einen Abschluss sowie einige Berufserfahrung in dem zu unterrichtenden Beruf besitzen. Ausnahmen bestehen für Hochschulabsolventen, die über Berufserfahrung im jeweiligen Beruf verfügen. Die Ausnahmen regelt das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Die erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Grundlagen sind in der AEVO-Prüfung nachzuweisen.

Die persönliche Eignung besteht nicht, wenn die betreffende Person mehrfach gegen Bestimmungen des Berufsbildungsgesetzes oder damit in Verbindung stehende Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.

Angemessenes Fachkräfteverhältnis und Eignungsprüfung

Neben der Eignung von Betrieb und Ausbilder muss ein Unternehmen, das ausbilden will, auch ein angemessenes Fachkräfteverhältnis nachweisen:

  • 1–2 Fachkräfte = 1 Auszubildender
  • 3–5 Fachkräfte = 2 Auszubildende
  • 6–8 Fachkräfte = 3 Auszubildende
  • je weiteren 3 Fachkräften = 1 weiterer Auszubildender

Ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, prüft ein IHK-Bildungsberater vor Ort, der Sie auch zu Themen wie Ausbildungsordnung und Ausbildungsvertrag informiert.

Ausbildungsvergütung

Das Berufsbildungsgesetz verlangt in § 17 lediglich, dass einem Auszubildenden eine „angemessene“ Vergütung zu zahlen ist, die ihn finanziell unterstützt und seine Leistung zumindest ansatzweise entlohnt. Was genau „angemessen“ ist, ist in der Regel in den Tarifverträgen der jeweiligen Branche festgelegt. Ist das Unternehmen nicht an einen Tarifvertrag gebunden, muss es mindestens 80 % dessen zahlen, was andere Unternehmen derselben Branche als Ausbildungsvergütung gewähren bzw. der für die Branche ausgesprochenen Empfehlung. Die IHK prüft die Vergütungsvereinbarungen und verweigert gegebenenfalls die Eintragung des Ausbildungsvertrages.

Ein Betrieb, der regelmäßig Überstunden einfordert, muss auch diese angemessen entlohnen oder einen entsprechenden Freizeitausgleich anbieten.

Ausbildungsvertrag

Damit wirklich alle Rahmenbedingungen des Ausbildungsverhältnisses einwandfrei geklärt sind, ist zwingend ein Ausbildungsvertrag abzuschließen (§ 10f. Berufsbildungsgesetz). Vordrucke stellt beispielsweise die zuständige IHK zur Verfügung. Der Ausbildungsvertrag schreibt unter anderem die Ausbildungsvergütung fest, die Arbeitszeiten, das Ausbildungsziel, Anfangs- und Enddatum und die gegebenenfalls anzuwenden Tarifverträge. Der unterzeichnete Vertrag muss dann umgehend an die zuständige Stelle zur Eintragung verschickt werden – beispielsweise die jeweilige IHK, die seinen Inhalt und seine Rechtskonformität dann noch einmal kontrolliert.

Erfolgreich dual ausbilden

Um als Ausbildungsbetrieb junge Menschen erfolgreich durch eine duale Ausbildung zu begleiten, ist es wichtig, deren Anforderungen zu kennen. Dann können Sie auch mit Ihrer neuen Arbeitskraft planen.

Die duale Ausbildung ist die in Deutschland verbreitetste Ausbildungsvariante: Sie kombiniert praktische Phasen im Unternehmen mit dem Besuch einer staatlichen Berufsschule. Die Kombination „Praxisphasen plus Berufsschule“ führt nach (in der Regel) zwei bis drei Jahren zu einem Berufsabschluss.

Wahl des Ausbildungsbetriebs und der Berufsschule

Der erste Schritt für den künftigen Azubi ist es, einen Ausbildungsbetrieb zu finden. Erst mit abgeschlossenem Berufsausbildungsvertrag kann er sich bei einer Berufsschule anmelden. Welche, ist in der Regel vom Ausbildungsort abhängig – es wird die nächstgelegene gewählt. Die Ausbildung an den Berufsschulen wird durch das Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes geregelt unter Berücksichtigung des Ausbildungsberufsbildes, des Ausbildungsrahmenplans und der Prüfungsanforderungen. Die zuständige Kammer ist für die Akkreditierung und Kontrolle der Berufsschulen verantwortlich.

Ablauf der dualen Ausbildung

Während der dualen Ausbildung ist der Auszubildende entweder an drei bis vier Tagen pro Woche im Unternehmen und an ein bis zwei Tagen in der Berufsschule, wobei die genaue Tagesanzahl von Beruf und Ausbildungsjahr abhängt. Oder er absolviert bis zu dreimonatige Blockunterrichtseinheiten an der Berufsschule und arbeitet ansonsten Vollzeit im Betrieb.

Aufgaben des Ausbildungsbetriebs

Die Aufgabe des Ausbildungsbetriebs in einer dualen Ausbildung ist es, fachliche Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln und deren praktische Anwendung zu schulen. Außerdem wirkt er an der charakterlichen Entwicklung des Azubis im beruflichen Umfeld mit – fördert also dessen Teamwork-Fähigkeiten und seine soziale Kompetenz im Umgang mit Kollegen.

Projekt VerA – stark durch Ausbildung

Das Projekt VerA wurde ins Leben gerufen, um Ausbildenden durch eine der herausforderndsten Lebensphasen zu helfen. Sie erhalten Unterstützung und Rat von berufserfahrenen Ehrenamtlichen. Doch auch die Ausbildungsbetriebe können VerA in Anspruch nehmen.

„VerA“ steht für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ und zielt darauf ab, die Überforderung junger Auszubildender durch Prüfungsstress, Auseinandersetzungen mit Ausbildern oder andere Probleme zu vermeiden. Immerhin jeder vierte Azubi in Deutschland bricht seine Abbildung ab – ein Verlust für das betroffene Unternehmen und die deutsche Wirtschaft. Das Projekt wurde durch die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit gGmbH ins Leben gerufen.

Die Auszubildenden werden von SES-Ausbildungsbegleitern unterstützt. Diese im Ruhestand befindlichen, speziell geschulten Experten stehen ehrenamtlich als Berater und Mediatoren zur Verfügung.

Der SES („Senior-Experten-Service“) des Projekts VerA kann bei Bedarf nicht nur von Auszubildenden und deren Eltern, sondern auch von Ausbildungsunternehmen und Berufsschulen angefordert werden. Die kostenlose Begleitung und Förderung der Azubis ist zunächst auf zwölf Monate ausgelegt. Eine Verlängerung bis zum Ausbildungsabschluss ist bei Bedarf aber möglich.

Quelle: www.vera.ses-bonn.de